Archiv für die ‘Second Citys’ Kategorie

3 Tage in Kopenhagen – Tag 1

10 Januar 2008

Kopenhagen hat mich schon immer faziniert und so wurden kurzerhand Flugtickets von Berlin nach Kopenhagen gebucht. 1 Stunde und wir waren da, dank der guten Flugverbindung der Air Berlin. Dezember ist vielleicht nicht die ideale Zeit, es ist nämlich eiskalt aber dafür haben wir einmal die dänische Version eines Weihnachtsmarktes kennengelernt.

Bei dem Landeanflug auf den Kopenhagener Flughafen erblickt man die im Winter recht triste Küste mit ihren Industrieanlagen und landet dann auf einem modernen doch recht weitläufigen Flughafen.

Metro

Ein echter Vorteil ist die gute Anbindung des Flughafens über die unbemannte Metro an die City. So ohne Fahrer werden einem ganz neue Blicke gewährt und man kann auch mal in der erste Reihe sitzen. Die Metro fährt in 10 Minutentakten und Tickets kann man sich an den Automaten im Flughafengebäude kaufen. Die Fahrpreise richten sich nach Zonen die man fährt und man sollte den ausgehängten Fahrplan genau studieren damit man weiß für wie viele Zonen man bezahlen muss. Vom Flughafen in die City sind es 3 Zonen und man bezahlt rund 28,5 kr, wenn man öfter auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist, sollte man sich eine 10 Karte besorgen.

Hotel in Vesterbro

Wir hatten ein gemütliches Hotel etwas abseits der Altstadt und sind im neuen Szeneviertel Vesterbro, ehemals als Arbeiter und Rotlichtviertel bekannt, untergekommen. Das Carlton Hotel Guldsmeden in der Versterbrogade kann ich nur weiterempfehlen, es gemütlich und hat ein gutes Frühstück und liegt doch recht Zentrumsnah, so bekommt man auch noch etwas mehr als nur die Altstadt zu sehen. Wenn man die Straße Richtung Zentrum geht kann man auch eine Nachbildung der mittelalterlichen Stadt Kopenhagen in einem Modell bewundern.

Modell

Am ersten Tag haben wir dann noch einen schönen Spaziergang entlang der Vesterbrogade, vorbei am Tivoli, am Rathaus hin zu einer fast endlos scheinenden Einkaufsstraße, die “Stroget” für die Kopenhagen so bekannt ist, gemacht. Zur Weihnachtszeit herrschte dort dichtes Gedränge aber es gibt dort einige nette Designerläden zu bewundern. Was uns besonders aufgefallen ist, dass man dort an jeder Ecke einen kleinen Imbissladen findet, der eine Art gebratenen Hotdog, sehr fettig, verkauft aber Döner oder Pommes sind dort eben gerade nicht zu finden. Das Leben in Kopenhagen ist eins der teuersten und das merkt man auch, denn einen kleinen Imbiss unter 5 € findet man eher selten und wenn man ins Restaurant geht, stellt man schnell fest, dass die Preise recht knackig sind.

Ich kann nur jeden empfehlen abends den Nyhavn zu erkunden, ein kleiner Hafen der sich gleich an die Stroget anschließt, hier liegen viele Boote, es gibt viele Kneipen und Hotels und eben zur Weihnachtszeit ist hier ein kleiner Weihnachtsmarkt eingerichtet. Sehr gemütlich und der Glögg schmeckt dort auch nicht schlecht. Die Kopenhagener sitzen bei jeder Gelegenheit draußen und so ist jedes Lokal mit Wärmestrahler und Decken ausgestattet.

Rathausplatz

Nach einigen guten Glöggs haben wir wieder den Rückweg angetreten und sind natürlich zu Fuß eine ähnliche Strecke zurück zum Hotel gelaufen. Auf dem Rückweg war der Rathausplatz bizzar durch Leuchtreklame erstrahlt und der Vergnügungspark Tivoli, gleich neben an, viel durch seine vielen Lichter ins Auge. Leider viel zu müde um noch den Tivoli zu erkunden haben wir den Tag bei einem schönen Glas Wein im Hotel ausklingen lassen.

Von Second Citys oder der kreativen Klasse oder Was macht Städte lebenswert und wo lassen sich die neuen brillanten Köpfe nieder?

10 Januar 2008

„Second Citys“ und „kreative Klasse“ immer wieder stolpert man in der letzen Zeit über die Begriffe und fragt sich was dahinter steckt? Wer ist das eigentlich diese kreative Klasse und wo kann man diese Menschen finden?

Der Begriff „kreative Klasse“ wurde von dem britischen Soziologen Charles Landry und dem amerikanischen Stadtforscher Richard Florida geprägt und beschreibt vor allem die Menschen, die als Designer, Musiker, Computer-Freaks, Wissenschaftler, Dichter, Ingenieure, Künstler, Schauspieler oder auch Analysten ihr Geld verdienen. Diese kreative Klasse der Gesellschaft lebt weniger in den unübersichtlichen Mega-Citys sondern mag es lieber übersichtlich und geschichtsträchtig. Städte wie Amsterdam, Kopenhagen, Dublin oder auch Hamburg bieten genug innovativen Background, Tradition, Sicherheit und ein gutes Lebensgefühl in denen sie aufgehen können und ihren Ideen ausleben. Second Citys sind mehr den je kulturelle Metropolen, die nicht mit den Mega-Citys konkurrieren müssen,  weil sie eben eine ganz andere Zielgruppe ansprechen. Keine graue und moderne Alltagsarchitektur mit dem Anstrich der Anonymität sondern individuelle, geschichtsträchtige und innovative Stadtbilder sind Anziehungspunkt. Gerade seit dem Einzug des Internets ist die kreative Klasse immer mehr unabhängig vom „Ort“ geworden, durch die vernetzte Welt entsteht eine neue Dimensionierung der „Abstände“. Paris und London sind mit nur einem Mausklick zu erreichen und Datenmengen leicht zu versenden, selbst die Zusammenarbeit mit Fachleuten aus verschieden Städten ist inzwischen über eine gute Internetverbindung zu bewerkstelligen. Wie leicht fällt es einem da als Designer oder Autor sein Produkt in einer der lebenswerten  Second Citys zu ersinnen und dann die Produktion in eine andere, eher industriell ausgelegten Stadt zu verlagern.Der Ablauf hat sich verändert, nicht alles muss mehr an einem Ort geschehen und man kann jetzt Leben und Denken in der einen Stadt und produzieren und herstellen auf der anderen Erdhalbkugel.

Wie ich auf dieses Thema gekommen bin? Ganz einfach ich gehöre der kreativen Klasse an und auch ich bin immer auf der Suche nach lebenswerten Orten, vor allem in Europa. Für mich ist es wichtig das mein Lebensgefühl mit dem Ort an den ich arbeite und wohne in Verbindung steht, sich sozusagen gegenseitig begünstigen.

Auf dieser Suche habe ich mir zur Aufgabe gemacht, einige dieser Second Citys zu erkunden und meine Erfahrungen in Bild und Schrift hier nieder zuschreiben und hoffe auch von euren Erfahrungen aus solchen Städten etwas zu erfahren.

weiterführende Informationen:

Der Spiegel-Europas coole Städte, Nr. 34/ 20.08.07